Fachtherapeut/in oder -begleiter/in Essstörungen
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Detailinformationen
Inhalte/Programm
Inhalte Essstörungen
Essstörungen sind eine tiefgreifende Störung der Identität eines Menschen. Das Bewusstsein, die Sicherheit für das Eigene, das Unverwechselbare gehen verloren, das Gefühl für das Selbst und die Selbstachtung – die Ge-Wichtigkeit – gerät aus dem Gleichgewicht, verliert ihr Maß. Dies ist ein komplexer Prozess des Erlebens, der Gefühle wie Scham und Ekel ebenso umfasst wie das Körpererleben. Nicht nur die Pfunde „verschwinden“ (Anorexie) oder schieben sich wie ein Schutzschild zwischen Innenwelt und Umwelt (Adipositas) oder spiegeln das verzweifelte Ringen um „Normalität“ wieder (Bulimie) – gleichzeitig „verschwinden“ in jedem Fall auch die sozialen Beziehungen und die Lebensfreude, kapseln sich ein und werden von großer Anstrengung überlagert. Jede Essstörung ist auch ein Prozess zunehmender Dissoziation. Die jeder Person eigene Ge-Wichtigkeit wiederzuerlangen und die Individualität zu nähren, muss Leitfaden unserer Hilfestellung sein. Dabei gilt es, die Würde der erkrankten Menschen zu wahren und die Not ihrer Innenwelten zu würdigen. Jede Essstörung ist der hilflose Versuch, eine Antwort auf etwas zu finden, was der betroffene Mensch nicht bewältigen kann. Dieser Versuch betrifft das gesamte Erleben – deshalb sind am Erleben orientierte Modelle und Methoden Kreativer Leibtherapie hilfreich und notwendig. Das Trauma oder sonstige Erleben, das in die Essstörung treibt, ist zumeist Worten nicht zugänglich oder allein durch Worte nicht zu fassen – deshalb bieten die Wege des Musizierens, Tanzens und Gestaltens Zugänge und Veränderungsmöglichkeiten. Jede Essstörung ist ein Versuch, ein nicht mehr aushaltbares Körpererleben und Körperbild zum Verschwinden zu bringen – deswegen ist insbesondere die am Erleben orientierte Körperbildtherapie der Kreativen Leibtherapie oft ein „Königsweg“ der Hilfestellung. In der Beratung und sonstigen Begleitung können kreative Elemente das Gespräch ergänzen und vertiefen.
Themen
Themen Essstörungen
Über Maßlosigkeit und Kontrolle, Ekel und Kampfschauplätze – Menschen mit Essstörungen verstehen
Wie erleben essgestörte Menschen sich und ihre Welt? Welche Phasen hat die Erkrankung? Was ist der medizinische, was das leiborientierte Verständnis von Essstörungen? Welche Rolle spielen der Ekel und das, was dahinter steckt? Wie tobt der Krieg zwischen Maßlosigkeit und Kontrolle? Welchen Sinn macht er für die Betroffenen? Wie kann er beendet werden? Den Phasen der Erkrankung entsprechend werden kreative Zugangsmöglichkeiten über das Wort hinaus demonstriert und geübt.
Leibliche Körperbildarbeit
Jede Essstörung ist eine Störung des Körpererlebens und damit des leiblichen Körperbildes. Der Unterschied zwischen Körper-Sein und Körper-Haben wird erarbeitet und der Zusammenhang zwischen Bewertungen und Körpererleben thematisiert. Die systematische und fokussierende Körperbildarbeit wird exemplarisch am eigenen Leib ausprobiert und vermittelt. Leibliche Körperbildarbeit beruht auf einer anderen Grundhaltung als die teilweise in Kliniken praktizierte Körperschemaarbeit. Leibliche Körperbildarbeit arbeitet nicht mit von außen gesetzten Maßstäben und Normen, sondern würdigt das individuelle eigen-sinnige Körpererleben jedes einzelnen erkrankten Menschen und fördert das In-sich-Wohnen.(Achtung: Dieses Seminar findet an zwei Wochenenden statt, die nur gemeinsam gebucht werden können!)
Vom Verhungern am Leben zu spürenden Begegnungen
Das Tridentitätskonzept des Nährens, Spiegelns und Gegenübers (Baer/Frick-Baer) bietet eine Fülle von diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten, die in diesem Seminar vorgestellt und für die Arbeit mit essgestörten Menschen nutzbar gemacht werden sollen. Wenn erkrankte Menschen am Leben verhungern, brauchen sie neue Wege, die in kleinen Schritten Begegnungen möglich machen. Dies bietet das Konzept der Spürenden Begegnungen, das auf dem Modell der Primären Leibbewegungen beruht.
Trauma und Essstörungen
Für viele Menschen sind Essstörungen ein Versuch, eine traumatische Erfahrung, mit der sie allein gelassen wurden, zu bewältigen. Sie versuchen im Kampf mit dem Körper und gegen den Körper verletzende Erfahrungen loszuwerden”, einschließlich der damit verbundenen Gefühle. Sie versuchen zu kontrollieren, was unkontrollierbar ist. Oft bleiben diese Zusammenhänge “im Nebulösen” verborgen. Wie durch das Nebulöse hindurch möglichen Zusammenhängen zwischen Essstörungen und traumatischen Erfahrungen auf die Spur zu kommen ist und wie die Arbeit mit solchen Zusammenhängen in Therapie und Begleitung heilend wirken kann, thematisiert dieses Seminar.
Das ungelebte Leben, das leben will …
In jeder Essstörung wie in jeder anderen psychischen Erkrankung kann sich ungelebtes Leben verbergen. Wenn ungelebtes Leben, wenn gebremste Lebendigkeit leben möchte, aber nicht darf, kann sich dies in Leiden zeigen. Wie solchen Zusammenhängen nachgespürt werden kann, wird in diesem Seminar erarbeitet. Doch das allein reicht nicht. Es ist wichtig, mit dem Modell der differenzierten Entstehungszusammenhänge ungelebten Lebens dessen biografischen Entstehungsbedingungen genauer auf die Spur zu kommen, um in der Gegenwart Wege zu finden, wie ungelebtes Leben wieder lebendig werden kann.
Das Drama der Leere – und die Beziehungswirksamkeit
Fast alle Menschen, die an Essstörungen erkrankt sind, haben existenzielle Leere-Erfahrungen durchlitten. Ob im Zusammenhang mit traumatischen Erfahrungen oder ohne diese – mit Grundbedürfnissen des Herzens ins Leere zu gehen, hat nachhaltige Folgen: Misstrauen, Rückzug, das Gefühl der Wirkungslosigkeit. Das Gefühl, nicht wirksam zu sein, wird oft durch Versuche des Kampfes gegen den Körper zu kompensieren versucht. In diesem Seminar werden Wege vermittelt, wie Leere-Erfahrungen und ihren Folgen nachgespürt werden kann und wie Wege zu Wirksamkeit und v.a. Beziehungswirksamkeit beschritten werden können.
