
Essstörungen sind eine tiefgreifende Störung der Identität eines Menschen. Das Bewusstsein, die Sicherheit für das Eigene, das Unverwechselbare gehen verloren, das Gefühl für das Selbst und die Selbstachtung – die Ge-Wichtigkeit – verschwindet und wird bedeutungslos. Dies ist ein komplexer Prozess des Erlebens, der Gefühle wie Scham und Ekel ebenso umfasst wie das Körpererleben. Nicht nur die Pfunde „verschwinden“ (Anorexie) oder schieben sich wie ein Schutzschild zwischen Innenwelt und Umwelt (Adipositas) oder spiegeln das verzweifelte Ringen um eine „Daseinsberechtigung“ zwischen Perfektion und Bedürftigkeit wieder (Bulimie) – gleichzeitig „verschwinden“ in jedem Fall auch die sozialen Beziehungen und die Lebensfreude, kapseln sich ein und werden von großer Anstrengung überlagert. Jede Essstörung ist auch ein Prozess zunehmender Dissoziation, der Abspaltung von Erlebtem. Die jeder Person eigene Ge-Wichtigkeit wiederzuerlangen und die Individualität zu nähren, muss Leitfaden unserer Hilfestellung sein. Dabei gilt es, die Würde der erkrankten Menschen zu wahren und die Not ihrer Innenwelten zu würdigen.
Jede Essstörung ist der hilflose Versuch, eine Antwort auf etwas zu finden, was der betroffene Mensch nicht bewältigen kann. Dieser Versuch betrifft das gesamte Erleben – deshalb sind am Erleben orientierte Modelle und Methoden Kreativer Leibtherapie hilfreich und notwendig. Da essgestörte Menschen an und innerhalb von sozialen Beziehungen krank geworden sind, bieten wir innerhalb der therapeutischen Beziehung an, mit uns im Kontakt erlebbare Erfahrungen zu machen, die sich heilsam auf Entwürdigung, Erniedrigung, Beschämung und andere gemachte Verletzungen auswirken. Da sich Essstörungen offensichtlich im Körperbild niederschlagen, bieten wir Körperbildarbeit. Leibliche Körperbildarbeit kann systematisch und fokussierend erfolgen. Sie fördert die Wiederaneignung des Köpererlebens und schafft ein Verständnis für den ewigen Kampf gegen den Körper und gegen ein eigen-sinniges Selbst. Deswegen ist sie der Königsweg in der Arbeit mit Menschen mit Essstörungen.
Innerhalb der modulare Fachfortbildung haben Sie die Auswahl aus sechs Themen. Sie können fünf davon sammeln und erhalten nach erfolgreicher Teilnahme das Zertifikat “Kreative Therapie für Menschen mit Essstörungen”. Die Reihenfolge der Seminare steht in Ihrem Belieben.
- Über Maßlosigkeit und Kontrolle, Ekel und Kampfschauplätze - Menschen mit Essstörungen verstehen
- Leibliche Körperbildarbeit (umfasst 2 Wochenenden)
- Vom Verhungern am Leben zu spürenden Begegnungen
- Trauma und Essstörungen
- Das ungelebte Leben, das leben will...
- Das Drama der Leere – und die Beziehungswirksamkeit

Ausführliche Informationen zur einjährigen Fachfortbildung in der Kreativen Therapie für Menschen mit Essstörungen:
Die Kosten pro Wochenendseminar betragen 215,- €. Das an zwei Wochenenden stattfindende Seminar "Leibliche Körperbildarbeit" kostet 430,-€. Falls Sie an der Gesamtfortbildung teilnehmen fällt zusätzlich eine Zertifikatsgebühr von 60,- € an
Für wen?
Die Fortbildung ist ein Qualifizierungsangebot für Therapeut/innen und andere Fachkräfte, die mit essgestörten Menschen arbeiten. Die Wahrscheinlichkeit, dass Therapeut/innen in ihrer Praxis auf Menschen treffen, die auch an Essstörungen leiden oder gelitten haben, ist groß.
Die Seminare stehen allen interessierten Fachkräften offen, auch solchen, die mit Menschen arbeiten, die nicht als “Essgestörte” diagnostiziert wurden. Unserer Erfahrung nach schlummert dieses Thema oft unter anderen (Selbst-)Diagnosen. Umfang, Qualität und Art des Einsatzes des Gelernten sind abhängig von den rechtlichen und fachlichen Möglichkeiten, die sich aus Ihren Grundqualifikationen ergeben.
Methoden
Die Fortbildung ist praxisbezogen und theoretisch fundiert. Gearbeitet wird vorwiegend mit Kurzvorträgen, praktischen Übungen, Gruppenarbeiten, erlebnisöffnenden Identifikationen, Verraumen, kreativen Zugängen und vielen Simulationen konkreter Situationen aus dem Arbeitsalltag der Teilnehmenden.
Modulare Fachfortbildung
Sie können fünf der oben angeführten Wochenendseminare sammeln und erhalten nach erfolgreicher Teilnahme das Zertifikat “Kreative Therapie für Menschen mit Essstörungen”. Die Reihenfolge der Seminare steht in Ihrem Belieben. Reichen Sie dazu die Teilnahmebescheinigungen in der Geschäftsstelle ein.
Bitte beachten Sie: Wenn Sie Seminare als Fachfortbildung anerkannt bekommen möchten, muss unter den fünf Wochenendseminaren das erste genannte Seminar “Über Maßlosigkeit und Kontrolle …” enthalten sein, weil es das leibliche Grundverständnis von Essstörungen erarbeitet. Ferner müssen die beiden Wochenenden “Leibliche Körperbildarbeit” enthalten sein, da dies das Herzstück ist und den Königsweg der Arbeit mit Menschen mit Essstörungen vermittelt. Nur wer z. B. innerhalb der Practitioner-Ausbildung in Tanz-, Musik- oder Kunsttherapie der Zukunftswerkstatt therapie kreativ schon zwei Körperbildseminare absolviert hat, muss diese nicht wiederholen, sondern kann an ihrer Stelle an zwei anderen Seminaren aus dem obigen Angebot teilnehmen.
Bildungsscheck und Prämiengutschein:
Sie können dieses Angebot auch als kompakte Fachfortbildung buchen. Sie geben dann Seminarthemen mit 5 Wochenendseminaren an und vermerken auf der Anmeldung "Kompakte Fachfortbildung". Sie verpflichten sich dann zur Teilnahme an der gesamten Fachfortbildung, die aus diesen fünf Seminaren besteht, und können dann einen Bildungscheck oder einen Prämiengutschein beantragen
Organisation
Jedes Wochenendseminar beginnt am Freitag um 18.00 Uhr und endet am Sonntag um 13.30 Uhr. Die maximale Gruppengröße beträgt 16 Teilnehmer/innen.

